Wie ich zum Schreiben kam - Eine kleine Geschichte über meine Tätigkeit als Schriftstellerin und die Beweggründe



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Meine Geschichte:

Ich habe drei Bücher geschrieben und zwei davon veröffentlichen können:

"Der kleine Tenniszauberer"    -  ein Märchen über das Tennisspielen, ein Tennislehrbuch für Kinder

"Zarja, wie alles begann"        -   ein Jugendbuch über Freundschaft, Schule, erste große Liebe und das Gedankenlesen

"Eine Frau im richtigen Alter"  -   ein Frauenbuch, eine Kombination aus Ratgeber und Liebesroman, ein Mutmacherbuch


Mein 1. Buch:

Ich habe mein erstes Buch, das noch heute als Manuskript in der Schublade liegt, mit der Hand geschrieben, weil ich nicht firm genug war, meine Gedanken in den PC zu tippen. Das schaffte ich erst nach einiger Übung. Heute bin ich dankbar dafür, dass ich nicht mehr mit der Hand schreiben muss!

Wenn ich kein Tennis gespielt hätte, hätte ich höchstwahrscheinlich gar nicht angefangen, ein Buch zu schreiben! - Da ist wieder dieser Gedanke, dass ich oft das Gefühl habe, ich werde gelenkt, etwas zu tun, damit daraus eine andere Sache entstehen kann. Also über eine Umleitung zum Ziel gelenkt werde!

Man würde sagen, ich kam durch Zufall zum Schreiben. - Alles scheint seinen Sinn und seine Zeit zu haben.

Also -  fünf Minuten von uns entfernt, wurde vor ca. 35 Jahren ein Tennisplatz gebaut und unsere Familie beschloss Tennisspielen zu lernen, weil wir etwas gemeinsames machen wollten, was allen Spaß macht, wenn mein Mann am Wochenende nach Hause kam. Als der Tennistrainer erfuhr, dass ich malte, wurde er einer meiner grössten Fans. Es gefielen ihm meine Bilder, meine sinnbildliche Art zu malen, Gedanken in Bilder um zu setzen.  Ich engagierte mich damals beim Tennis, fuhr die Kinder zu den Punktspielen und kreierte auch die Plakate für die besonderen Spiele, die er arrangierte, malte Tennisbilder, die ausgestellt wurden usw....So kam es, dass er mir eines Tages erzählte, dass er ein Tennislehrbuch für Kinder schreiben möchte und mich fragte, ob ich es illustrieren könnte. Ich sollte zu den einzelnen Tennisschritten, die er aufgeschrieben hatte, die passenden Bilder malen. Er gab mir seine Aufzeichnungen, ich las alles durch und kam zu der Überzeugung, dass die Bilder, die ich dazu malen müsste, kein Kind ansprechen würde. Mir kam der Gedanke, die Schritte in eine kindgerechte Geschichte zu verpacken. Wir überlegten hin und her und er kam auf die Idee, das Buch "Der kleine Prinz" als Vorlage zu nehmen. Ich sollte mich davon inspirieren lassen.

So setzte ich mich an den Schreibtisch und marterte mir das Hirn und überlegte und überlegte. - Und auf einmal hatte ich eine Idee und meine Hand schrieb und schrieb! - Es floss aus meiner Hand heraus, als wenn mir jemand den Text diktiert hätte. Ich vergaß zu essen und zu trinken und konnte auch kaum schlafen, weil mir die Geschichte im Kopf herumspukte und ich wusste, dass sie mich nur in Ruhe lassen würde, wenn sie fertig auf dem Papier zu lesen sein würde. Ich schrieb 3 Wochen, ließ meiner Phantasie freien Lauf, hatte Spaß, unendlichen Spaß - und dann war die Geschichte fertig!

Leider fanden wir keinen Verlag, der ein Tennisbuch für Kinder herausgeben wollte. Das Interesse wäre zu gering, sagte man. Ich hätte ein Fussballbuch schreiben sollen, dann hätte ich eine Chance gehabt.

Ich habe also ein Buch geschrieben, ohne zu wissen, dass ich so etwas kann! Dass ich die Ausdauer für so etwas habe! Ich hatte sozusagen Blut geleckt! Es hatte mich überfallen! Die Leidenschaft hatte mich gepackt. - Wie beim Malen! - Ich war über mich selbst sprachlos!

Ich brauchte kein Gegenüber mehr, dem ich etwas erzählte! Ich konnte mir selber etwas erzählen! Und mein Gegenüber hatte keine Möglichkeit, mich zu stören oder mir sogar zu widersprechen! Das Blatt Papier war geduldig und der PC streikte auch nur, wenn ich durch meine Tollpatschigkeit im Umgang mit ihm, ihm zu schaffen machte!

Mein 2. Buch:

Ich war in einem Alter, in dem mein Kopf randvoll mit Erfahrungen und Erlebnissen war und beschloss einen neuen Versuch zu wagen und noch ein Buch zu schreiben. Ich konnte es kaum erwarten, hatte das Gefühl, ich müsste meinen Kopf leeren. Das Malen wurde verdrängt. Ich hatte keine Ruhe mehr dafür. Ich konnte auf einmal nicht mehr malen. Es ging mir nicht schnell genug. Um einen stimmungsvollen Himmel zu malen, benötigt man einige Zeit, aber das Schreiben dieser zwei Wörter geht ruckzuck! Um meine Gedanken, meine Phantasie und meinen Erfahrungsschatz zu verarbeiten, bot sich das Schreiben darüber geradezu in idealer Weise an! Es war perfekt, damals!

Es hatte sich ja auch ganz viel in meinem Leben abgespielt und verändert. Die Eltern und Schwiegereltern waren inzwischen pflegebedürftig geworden und die Kinder waren aus dem Haus gegangen. Sie lebten ihr eigenes Leben und hinterließen eine Lücke und mir einen großen Schatz an Erfahrungen, den ich als Mutter gesammelt hatte und den ich irgendwie weitergeben wollte. Ein weiteres Kapitel meines Lebens war vorbei und ein neuer Abschnitt fing an. Ich dachte oft an die Zeit mit meinen Kindern und an meine eigene Zeit als Kind und Jugendliche.

Und es schob sich eine Geschichte in meinen Kopf! - Die Geschichte eines 12 jährigen Mädchens entstand.

Ich verwob meine eigene Kindheitsgeschichte und die Erfahrungen, die ich mit meinen Kindern gemacht hatte, zu einer neuen Geschichte über Schule, Freundschaft und erste große Liebe. Dabei ließ ich natürlich wieder meiner Phantasie freien Lauf und gab meiner Protagonistin mit dem Namen "Zarja", den ich mir ausgedacht hatte (Es ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern "Zaubern", "Lara" und dem Wörtchen"ja") die Gabe des Gedankenlesens!

Ich fing an, mit wörtlicher Rede zu hantieren und lachte mich schlapp über die Wörter. die ich meinen Figuren in den Mund legte. Das Schreiben dieses Buches machte mir wieder einen riesigen Spass und wieder floss mir in kürzester Zeit der Text nur so aus den Fingern, als wenn mir jemand den Text diktieren würde! Ich konnte gar nicht schnell genug schreiben! Es war wie eine Sucht, die mich überfallen hatte!

Ich hatte ja ursprünglich meine Gedanken mit Malerei zu Papier gebracht. Nun hatte ich eine neue Möglichkeit!

Die Verlagssuche:

Ein Buch zu schreiben hat mir jedesmal Spass gemacht, aber die Verlagssuche war eine Katastrophe! Die vielen Absagen, die ich bekommen habe, auch bei meinem zweiten Buch, ließen mich mit dem Gedanken spielen, alles wieder in die Schublade zu legen. Die Formulierungen der Absagungen waren teilweise so frustrierend, dass ich anfing, mich zu ärgern. Das Manuskript wurde teilweise gar nicht gelesen und ich bekam noch ein halbes Jahr später Exemplare zurück gesandt. Wenn ich anrief, um mich über den Stand zu erkundigen, wurde ich gar nicht durchgestellt und wurde teilweise auch sehr unhöflich behandelt

Aber ich wollte nicht aufgeben! Es ist nicht meine Art, wenn mir etwas wichtig ist!.

Ich habe eine Schwester, die damals in Frankfurt lebte und so beschloss ich, sie in der Zeit der Frankfurter Buchmesse zu besuchen und mir dieses eingebildete Völkchen in den Verlagen anzusehen. Ich wollte mir selber ein Bild machen und wollte sehen, ob sie mich auch so abkanzelten, wenn ich persönlich vor ihnen stehe und ich wollte mir selber einen Verlag suchen, den ich für mich richtig fand und dessen Mitarbeiter mir sympathisch waren.

Nachdem ich einige Messestände besucht hatte und durchaus anständig behandelt worden war, wurde mir klar, dass ich als Einsteigerin überhaupt keine Chance hatte. Die wirtschaftlichen Gründe waren gegen mich, wie mir die Verlagsangestellten mitteilten. Wenn ich schon ein Buch hätte vorweisen können oder einen bekannten Namen gehabt hätte oder jemanden aus einem Verlag gekannt hätte oder ...  oder ...  oder .... ja dann hätte ich vielleicht eine kleine Chance gehabt. Als ich mich schon mutlos durch die überfüllten Gänge der Verlagsstände in der Messehalle schob, entdeckte ich aber plötzlich doch einen für mich interessanten Verlag! Es war ein neuer Verlag, der Autoren suchte, die ein Jugendbuch geschrieben haben. Sie wollten eine neue Sparte aufmachen. Ich kam mit ihnen ins Gespräch und sie freuten sich und ich auch, dass ich ihnen mein Manuskript zur Prüfung geben wollte. Ich müsste aber einen Zuschuss von ca 900 EUR zahlen, bekäme kein Anfangshonorar, wenn sie mein Manuskript geprüft hätten und es veröffentlichen würden -  Das wurde dann mein Verlag! -  Ich konnte bei allem mitbestimmen und auch das Cover selber entwickeln. Das Buch wurde im digitalen Druckverfahren nach Bedarf gedruckt und ausgeliefert und ich musste mich um den Vertrieb kümmern. Mein zweites veröffentlichtes Buch habe ich auch so herstellen lassen und ersparte mir die Suche.

Leider hat mein Verlag vor ca 5 Jahren die Insolvenz beantragen müssen und keinen Investor gefunden. Der Verlag wurde geschlossen und wir Autoren bekamen alle eine CD mit den Daten für die Bücher, um sie einem anderen Verlag weiter reichen zu können und die restlichen Bücher, die der Verlag noch auf Lager hatte. Ich bin also wieder so weit, wie am Anfang und ich habe überhaupt keine Lust, dieses frustrierende Spiel mit den Verlagen nochmals aufzunehmen. So vertreibe ich seit dieser Zeit meine restlichen Bücher selber. Über Amazon oder bei mir kann man sie erhalten. Inzwischen werden über diesen Marktplatz gebrauchte Bücher von mir billigst angeboten und ich weiß gar nicht, woher sie alle kommen! Ich habe nichts mit ihnen zu tun. Seitdem ich das feststellte, vertreibe ich nun selber unter "Nora" seit einiger Zeit meine restlichen gebrauchten, gut erhaltenen Bücher auf diesem Marktplatz.

Ich hielt also damals voller Stolz mein erstes Buch in den Händen! Damit besuchte ich wieder die Buchmessen und suchte einen Hörbuch-Verlag. Radioropa Hörbuch gefiel mein Jugendbuch sehr und ich bekam einen Vertrag. Mein Buch wurde in einem Studio bearbeitet und ich freute mich über den Fortgang des Projektes. Leider beschloss der Verlag nach kurzer Zeit einen Stopp für die Produktion von Jugendhörbüchern, weil sie nicht genug davon verkauften und mein Buch fiel diesem Umstand zum Opfer.

Die Presse in Pinneberg und die örtlichen Buchhandlungen, sogar Geschäfte unterstützten mich bei meinem Buchprojekt und ich hatte angefangen, überall, wo es mir möglich war, für mein Buch zu werben. Aber fremde Buchhandlungen wollten nichts mit meinem Buch zu tun haben, wollten ihre eigenen, von den großen Verlagen an sie ausgelieferten Bücher, verkaufen und nichts von mir. Schnell merkte ich auch, dass ich vorwiegend als Verkaufsvertreterin für ein Buch angesehen wurde, die nur Geld verdienen wollte und ich allein keine großen Chancen hatte, bei der Vertreibung meines Buches. Bei einem Wert von Euro 0,60 pro Buch, den mir der Verlag zahlte, waren keine großen Reichtümer zu erwirtschaften! Leider kam das Buch nicht zum Laufen. Ich hätte die falsche Zielgruppe gewählt, sagte man mir. Die Jugendlichen hätten keine Lust mehr Bücher zu lesen. Es gäbe andere Medien, die ihnen besser gefielen.

Mein 3. Buch und die Hormone - mein Mutmacherbuch

Mit meinem dritten Buch, dem zweiten, das ich veröffentlichte, entsprach ich aber einer Zielgruppe, die noch Bücher liest! Ich war wieder in einem neuen Lebensabschnitt angekommen, war 59 Jahre alt und hatte den Kopf immer noch voll und musste mir unbedingt etwas "von der Leber schreiben".

Die Natur hatte mich mit reichlich Hormonen ausgestattet, die mir das Leben als Frau, als sich die Östrogene in den  Wechseljahren weggeschlichen hatten, sehr zu schaffen gemacht haben und nur noch das Testosteron in mir herum spukte. Der Körper war im Ungleichgewicht und spielte verrückt, vor allem mein Herz! Mein Körper funktionierte wie ein Auto, das immer mit Superbenzin betankt worden war und auf einmal mit Wasser fahren sollte. Es spielte sich das volle Programm ab, das man als Frau in dieser Zeit erleben kann: Heulen ohne Grund, Wütend sein ohne Grund, Herzrasen, dass man denkt, sein letztes Stündlein hätte vorzeitig geschlagen, Schwitzen, dass ich eine Badewanne hätte füllen können und vor allem konnte ich nicht mehr schlafen. Das war das Schlimmste. Ich kam nicht zur Ruhe.Ich war nervlich und körperlich so fertig, dass ich dachte, ich komme in die Klapsmühle, wenn es so weitergeht. Ich merkte, ich schaffe es nicht allein.

Mein Frauenarzt, der mich über Jahre schon begleitet hatte, überwies mich zum Herzspezialisten und anschließend in eine Spezialklinik für Hormonbehandlungen. Ich hatte alles an Ersatzhormonen ausprobiert, was es zu  dieser Zeit auf diesem Gebiet gab. Aber es half nichts. Mein Körper reagierte nicht auf die Medikamente und ich baute immer mehr ab. In der Klinik stellte man fest, dass ich keine Östrogenrezeptoren besitze, dass sie mir abhanden gekommen waren. Es war nichts da, dass das zugeführte Östrogen, für mich das Beruhigungsmittel, hätte andocken können, damit ich wieder ins Gleichgewicht kommen konnte. Man war ratlos, wie man mir helfen könnte.

Da hatte mein jahrelanger Frauenarzt eine Idee. Er hatte gehört, dass ein neues Mittel aus der USA auf dem Markt war, eine chemische Substanz, die dem Körper vorgaukelte, dass man genügend Hormone in sich hätte, die den Organismus am Laufen halten. Ich stellte mich sozusagen als Versuchskaninchen zur Verfügung, es war meine letzte Chance. Diese Wunderpille rettete mein Leben. Es veränderte sich schlagartig von heute auf morgen. Ich wurde wieder langsam normal, konnte vor allem wieder schlafen, hatte keine Herzattacken mehr und erholte mich körperlich.

Wenn ich mit den Frauen aus meinem Bekanntenkreis in meiner Leidenszeit darüber sprach, um heraus zu bekommen, wie sie diese Zeit schaukelten, stieß ich oft auf Unverständnis und kam mir wie ein Weichei vor. Sie belächelten mich, waren nicht so wehleidig wie ich, waren taff und ließen sich doch nicht von so ein paar Hormonen unterkriegen, wie ich, gab man mir zu verstehen. Auch über die Männerwelt ärgerte ich mich in dieser Zeit. Weil ich immer jünger ausgesehen habe, als ich eigentlich war, passierte es mir oft, wenn ich in meinem fortgeschrittenen Alter bei einem kleinen Flirt auf mein Alter angesprochen wurde und es ehrlich sagte, dass man auf einmal merkwürdig zu mir war. Manche jüngeren Männer kamen sich blöd vor, dass sie auf so eine alte Schabracke hereingefallen waren, sich so getäuscht hatten. Und ich kam mir natürlich auch blöd vor. Es gibt angenehmere Situationen! Ich konnte doch nichts dafür, dass ich einige Jahre älter war, als man vermutete.

Ich beschloss ein neues Buch, zu schreiben, bei dem ich mir Luft machen konnte und mit dem ich den Frauen, die so einen Hormonspiegel haben, dass sie eben nicht ohne große Komplikationen die ganze Wechseljahresgeschichte übergehen können, zur Seite stehe und dass ich vor allem mit meinem Buch etwas aufklären wollte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, weil es eigentlich ein Sachbuch werden sollte, schrieb ich dann mein "Mutmacherbuch"! 

Nachdem ich also wieder in meinem Leben angekommen war und ich auch nicht mehr durch 4 wöchigen Eisenmangel geschwächt war, kam meine Lebensfreude wieder zurück und mein Leben war angenehmer als es jemals war.

Ich wollte in meinem Buch meine Kenntnisse und Erfahrungen weitergeben, wollte den Frauen Mut machen, dass man es heute nicht mehr hinnehmen muss, dass es einem schlecht geht und man sich als ein Weichei vorkommt und dass es nach den Wechseljahren vielleicht sogar besser läuft als jemals davor und dass man ja auch in einem Lebensabschnitt ist, in dem man langsam die Früchte seines mühsam gezogenen Lebensbaumes ernten kann. Es sollte ein kleines Ratgeberbuch werden, bei dem ich auch ein bisschen über Sexualität im fortgeschritten Alter und später berichten wollte.

Als ich die ersten Kapitel des Buches geschrieben hatte, kam mein Vater, der bei mir im Hause lebte, nach langer Krankheit und Leidenszeit, in die Sterbesphase. Er starb bei mir im Haus. Malen und Genießen ging ja schon lange nicht mehr, aber sich an den PC setzen und schreiben, um auf andere Gedanken zu kommen, bevor ich abends zu Bett ging, das schaffte ich. Auf einmal war mir klar, dass ich in dieser Ratgebersprache nicht schreiben wollte, dass sie mich nicht ansprach und dass mich diese Art von Buch nicht davor retten konnte, mit der Traurigkeit die mich plagte, umzugehen. Ich grübelte, wie ich mich selbst positiv stimulieren könnte, um mir zu helfen.

Und es kam mir eine rettende Idee, die ich ausprobieren wollte. Ich überlegte, was mir wunderbares im Leben in den letzten Jahren passiert war. Sofort schoss mir ein Erlebnis in den Kopf, das mich sehr geprägt hat und dass mein Frauendasein damals aufs wunderbarste bereichert hatte, auch wenn es sehr aufregend für mich war. Ich beschloss, mich mit diesem Erlebnis zu beschäftigen und diese Geschichte zu Papier zu bringen. Ich schrieb das erste Kapitel um und nach den ersten bereits geschriebenen Kapiteln fügte ich meine Ratschläge und Erfahrungen in die Dialoge der neuen Geschichte ein. Eine Geschichte, in der ich erzähle, wie ich mich im fortgeschrittenen Alter, Hals über Kopf, nochmals verliebt hatte!

Als Handlungsort wählte ich das wunderbare Hotel "Sensimar Aguait" in Cala Ratjada auf Mallorca, in dem ich jahrelang Urlaub gemacht hatte und dessen Umgebung mir bestens bekannt war. 

Ich versetzte mich jeden Abend vor dem Zubettgehen voller Konzentration in diese Zeit zurück und lenkte meine Gedanken um, lenkte mich in die Vergangenheit, in dieses Erlebnis. - Und es klappte! - Ich rettete mich selber, so wie dieser Mann mich damals gerettet hat, als ich nicht mehr wusste, ob ich Fisch oder Fleisch war. Natürlich nahm ich mir bei der Geschichte ein paar schriftstellerische Freiheiten heraus! Am Schluss wusste ich schon selber nicht mehr so genau, was wirklich passiert war und was nicht! 

Über den Titel meines Buches musste ich nicht lange nachdenken. "Eine Frau im richtigen Alter" sollte auf dem Cover stehen. Ich amüsierte mich über meinen Einfall! Aber es ist genau der richtige Titel für mein Buch! 

Ich habe früher oft mit meinem tatsächlichen Alter gehadert. Als ich jung war, wollte ich älter sein und als ich älter war, wollte ich jünger sein! Ich war quasi nie im richtigen Alter! Aber als ich ca 55 Jahre alt war, war das richtige Alter auf einmal da! Von heute auf morgen passte mir plötzlich mein Alter ganz hervorragend! Ich wollte nicht älter und nicht jünger sein! Ich war genau im richtigen Alter! Es passierte einfach so, ohne dass ich wusste, wie es dazu gekommen war. Und seit dieser Zeit genieße ich sogar mein Alter! Mein "Älterwerden" gefällt mir. Ich habe das Gefühl, mein Leben wird immer schöner! Ich möchte auf keinen Fall mehr jung und unerfahren sein und die ganzen schlimmen Dinge, die mir im Leben widerfahren sind, nochmal erleben müssen. Ich bin froh, dass ich alles überstanden habe. Und mein Erfahrungsschatz macht mir das Leben leicht. Und ich kenne mich ganz genau. Ich weiß genau, was ich mag und was ich nicht mag! Und ich nehme mir heute die Freiheit heraus, Dinge abzulehnen, die ich nicht mag und Dinge zu machen, nur weil sie mir Freude machen.

Und ich freue mich jeden Tag, dass ich auf der Welt bin und mit meiner Familie, meinem Ehemann und mit meinen Freunden und Bekannten so ein zufrieden stellendes Leben führen darf! 


Edeltraut K. Schlichting
Künstlerin und Autorin